Alles, was wir geben mussten

zelluloid.de • ©1998-2011 Denis Hoffmann & Alexander Jachmann

Kathy, Tommy und Ruth verbringen ihre Kindheit in Hailsham, einem scheinbar idyllischen englischen Internat. Doch der Ort birgt ein dunkles und verstörendes Geheimnis, das die Zukunft der jungen Leute betrifft und worüber niemals gesprochen wird. Nachdem sie den Schutz der Schule hinter sich gelassen haben, kommen die drei Freunde dem grausamen Schicksal, das sie als Erwachsene erwartet, unaufhaltsam näher. Dabei wird ihre enge Freundschaft durch die tiefen Gefühle der Liebe, der Eifersucht und des Verrats auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. –Zelluloid.de

 

Es ist sehr schwierig an dieser Stelle etwas über den Film zu schreiben ohne ihn zu sehr zu spoilern, der Trailer hat das ja ganz gut hinbekommen. Also versuche es auch mal. Zuerst muss man sagen, dass es hierbei um einen Science-Fiction Drama handelt. Allerdings nicht in der Zukunft mit dem ganzen Gadgets und so, die Story ist in der Vergangenheit angesiedelt und zeigt uns eine Alternative gesellschaftliche Entwicklung in den späten 1960ern, welche wir so nicht kennen.

Im Mittelpunkt der Story steht Kathy H. Sie ist die tragende Figur in diesem Film und wir verfolgen ihre Lebensgeschichte beginnend mit dem Internat in Hailsham. Genau wie die Charaktere im Film erfährt der Zuschauer nur langsam was den Kindern bevorstehen wird, so bewegt sich der Zuschauer auch in einem begrenzten Horizont und erkennt nicht das Große Ganze dahinter. Auf der einen Seite ist es etwas ärgerlich, aber auf der anderen Seite wieder sehr gut, denn so kommt die Story des Filmes sehr stark zum tragen. Nur langsam eröffnet sich auch uns das tragische Schicksal.

Noch einige Anmerkungen zum Stil und den Schauspielern. Alle drei (Carey Mulligan, Andrew Garfield & Keira Knightley) haben eine wunderbare Darbietung geliefert und die Charaktere mit soviel Leben gefüllt, dass es schon erstaunlich ist, dass dieser Film spurlos an den Oscars vorbeigegangen ist. Dafür hat er aber die wichtigen Nominierungen bekommen. Die schauspielerische Leistung der Kinder ist auch nicht zu verachten, die waren nämlich hervorragend. Zum Soundtrack ist noch zu sagen, dass dieser den Film sehr gut getragen hat. Stellenweise sehr traurig, aber passend. Eine Überlegung Wert sich den vielleicht noch anzuschaffen.

Selten habe ich einen solch guten Film gesehen. Größtenteils ist der Film sehr traurig und man ist oft den Tränen nahe, denn das Schicksal der Kids geht nicht einfach so spurlos an einem vorbei. Vor allem die Enttäuschungen treffen einen Hart. Am Ende war ich einfach  nur sprachlos und sehr nachdenklich gestimmt. Meiner Meinung nach ein Must-See Film, mit einem großen ABER: Dieser Film ist definitiv nichts für das Mainstream Publikum! Wer hier großartige Effekte, eine detaillierte Auflösung oder was auch immer erwartet ist hier vollkommen Falsch! Hier geht es um eine Story mit subtilen Tiefgang, und es passiert auch eigentlich nicht viel, aber das was passiert ist halt sehr wichtig. Das hat mich schon nach dem Film sehr gestört, dass da wieder Kommentare zu hören waren, wie: „… ist ja unrealistisch..“ oder „…ich wäre abgehauen…“. Solche Leute haben es einfach nicht kapiert. Für alle anderen die Arthaus auch mögen, unbedenklich empfehlenswert!

ACHTUNG SPOILER!

Für die, die den Film schon gesehen habe, oder denen es egal ist behandel ich nachfolgend noch einige Aspekte zum Film.Die genauen Hintergründe in der Story bleiben dem Zuschauer verborgen. Wir wissen nicht wie fortschrittlich die Medizin hier ist und was alles möglich ist. Wir wissen auch nicht wo die Kinder eigentlich herkommen. Dennoch bewegen wir uns in einem sehr vertrautem Rahmen und können trotzdem nicht ganz das große Bild erkennen. Also ziemlich viel Raum für Spekulationen.

Definitiv handelt es sich um einen nationeles Programm, was auf einem Aufkleber am Laster erkennbar war (NDP=National Donor Program). Wo kommen nun die Kinder her? Offensichtlich handelt es sich nicht um Waisenkinder. Denn jeder Außenstehender der Kontakt zu den Kindern hatte verhielt sich komisch ihnen gegenüber und vermied Kommunikation. Das bestätigt auch die Aussage am Ende des Films: „Wir mussten nicht in eure Seelen schauen, wir mussten sehen ob ihr überhaupt welche hattet.“ Als was für Geschöpfe sind die Kinder nun?

Klone können es nicht sein, denn dann würden sie nur für einen Wirt als Spender in Frage kommen und dies wäre sehr unwirtschaftlich in diesem gesellschaftlichen Gefüge. Bleibt nur noch die Theorie, dass es sich um genetische Züchtungen handelt, welche ausgetragen wurden und dann in diesen Internaten aufgezogen wurden um später als Spender zu dienen. Somit kämen sie auch für viele andere als Spender in Frage und erklärt auch die Anzahl der Spenden ein wenig. Dies ist für mich die plausibelste Erklärung, denn die In-vitro-Fertilisation wurde in den 1960er Jahren entwickelt und bietet somit einen Grundstein für die Story.

Eine Zweiklassen-Gesellschaft ohnegleichen entsteht. Es ist schwer als Zuschauer dies zu akzeptieren, aber die Kinder werden von Kleinauf indoktriniert und stellen das System somit auch nicht in Frage. Auch wenn Tommy und Kathy später versuchen den Aufschub zu bekommen und die eigentlich Wahrheit erfahren so beugen sie sich trotzdem ihrem Schicksal. Da kann jeder noch so gerne sagen, die hätten ja abhauen können! Nein das hätten sie nicht, denn wer so aufgezogen hinterfragt nichts! Außerdem tragen alle Spender ein Armband was zweifellos als Lokalisator dienen kann. Man sieht alle Figuren wie sie immer ihre An- und Abwesenheit am Gerät im Haus bestätigen. Also auch hier alles nicht so einfach!

Umso erdrückender ist es, dass sich alle ihrem Schicksal ergeben. Mir gefällt das dargestellte Szenario keinesfalls und dies wirft Fragen auf über Dinge, die noch auf uns zukommen werden. Denn eigentlich befinden wir uns medizinisch an einer Schwelle. Klonen ist möglich geworden und auch die genetische Manipulation ist uns zu Eigen geworden und nun stellt sich die Frage, wie weit werden wir gehen? Dieses Szenario ist an für sich für die derzeitigen und evtl. zukünftigen Entwicklung nicht gerade unrealistisch. Nur darf es so weit wie hier dargestellt einfach nie kommen!

1 Gedanke zu „Alles, was wir geben mussten

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